Freitag, 26. Februar 2016

Kapitel 2:


Gestern wachte Ulrich Schmied langsam auf. Die schwachen Sonnenstrahlen leuchteten das kleine Schlafzimmer, das unordentlich und hässlich seit einer Woche war. Normalerweise war es nicht so, aber normalerweise schlief Julia mit ihm und nicht in einem Hotel, das auf der anderen Seite von Bern ist. Obwohl Ulrich sich ziemlich miserabel fühlte, hatte er keine Zeit traurig zu sein, weil letzter Nacht Ulrich neue Evidenz fand. „Ohne Ehe ist man frei, aber ohne Arbeit ist man nichts,“ dachte Ulrich, als er sich zog an.
Minuten später bemerkte Ulrich, als er mit seinem blauen Mercedes durch den kalten Herbstregen zu Polizeibüro fuhr, dass die Stadt, die er immer geliebt hatte, schien heute sowohl leblos als auch bedrohlich. Ulrich ging in einem großen grauen Gebäude, auf dem die Wörter „POLIZEI HAUPTBÜRO“ geschrieben worden waren, und benutzte den alten Aufzug. Im Aufzug sah Ulrich Jörg, der ein Kollege und ein alter Freund war. „Jörg! Wie geht es dir? Nimmst du immer noch Ladendiebe fest?“ sagte Ulrich.
„Ich wäre lieber ein schlechter Polizist als ein schlechter Mann,“ sagte Jörg ohne Humor.
„Was ist denn mit dir los?“ fragte Ulrich.
„Ich habe kein Problem, aber du hast kein Respekt. Es ist mir egal, ob du mir respektierst, aber der Staat braucht Respekt. Deine Untersuchungen können nicht jemanden beschuldigen. Willst du nur Skandal?“ antwortete Jörg.
„Ich weiß, dass mein Projekt nicht populär ist, aber meine Arbeit ist Gerechtigkeit,“ sagte Ulrich, als die Tür geöffnet.
„Dieser Kreuzzug ist nur für dich, trotzdem bleib sicher. Niemand ist unschuldig,“ sagte Jörg.
Ulrich ging zu seiner Kabine und studierte die neue Evidenz, die er gestern fand. Sie war ein Brief in unordentlicher Handschrift von roter Tinte. Der unbekannte Autor hatte geschrieben:
Der Mann ist schon tot, aber unser wichtiger Freund ist noch nicht beruhigt. Er sagte, dass es unsicher ist, weil die Polizei zu viel wissen. Find eine schnelle Lösung!
Ulrich hatte den Brief unter der Lorrainebrücke gefunden und war sicher, dass der Brief den Mord, den Ulrich untersuchte, erklärte. Ulrich las die Dateien über dem Mord wieder. Der Tote hieß Albrecht Blumenfeld, der ein populärer Journalist gewesen war. Weil er die Regierung viel kritisiert hatte, hatte viele mächtigen Feinde gehabt. Das ganze Volk der Schweiz hatte Blumenfeld geliebt, aber jetzt hatten die Leute zu viel Angst, Fragen zu stellen. Ulrich musste die Wahrheit aufdecken, aber oft schafft die Aufklärung nur die Tragödie.
Fortsetzung folgt…
Bedrohlich – Threatening
Ladendiebe –Shoplifters
Untersuchungen – Investigations
Kreuzzug – Crusade
Kabine – Cubicle (but also Cabin)
Tinte – Ink
Dateien – Files
Aufdecken – To uncover

Mittwoch, 24. Februar 2016

DER FORTSETZUNGSROMAN



Kapitel Eins

 Die Stadt Bern  


(italicized words appear below text in translation; words in blue point to external internet sites)


Alphons Clenin, der Polizist von Twann, fand am Morgen das dritten November 1948 einen blauen Mercedes, der am Strassenrande stand. Es herrschte Nebel, wie oft in diesem Spätherbst, und eigentlich war Clenin am Wagen schon vorbeigegangen, als er doch wieder zurückkehrte. Es war ihm beim Vorbeigehen gewesen, nachdem er flüchtig durch die Fenster des Wagens geblickt hatte, als sei der Fahrer auf das Steuer niedergesunken. Er glaubte, dass der Mann betrunken sei. Er wollte daher dem Fremden nicht amtlich, sondern menschlich begegnen. Er trat mit der Absicht ans Auto, den Schlafenden zu wecken, ihn nach Twann zu fahren und im Hotel Bären bei schwarzem Kaffee und einer heissen Suppe nüchtern werden zu lassen, denn es war verboten, betrunken zu fahren, aber nicht verboten, betrunken im Wagen, der am Strassenrande stand, zu schlafen. Clenin öffnete die Wagentür und legte dem Fremden die Hand väterlich auf die Schultern. Er bemerkte im gleichen Moment, dass der Mann tot war. Die Schläfen waren durchschossen. Auch sah Clenin jetzt, dass die rechte Wagentüre offen stand. Im Wagen war nicht viel Blut, und der dunkelgraue Mantel, den die Leiche trug, schien nicht einmal beschmutzt. Aus der Manteltasche glänzte der Rand einer gelben Brieftasche. Clenin, der sie hervorzog, konnte feststellen, dass es sich beim Toten um Ulrich Schmied handelte, Polizeileutnant der Stadt Bern.

das Steuer: steering wheel
amtlich: on business
flüchtig: schnell
nüchtern: nicht betrunken sein
die Schläefen: temple (on your forehead)
die Brieftasche: wallet
feststellen: determine
Bern: Hauptstadt der Schweiz