Freitag, 18. März 2016

Kapitel 11

Die Szene stoppt und Ulrich dreht sich uns zu stellen. Er spricht.

„Bin ich vernünftig? Bin ich real? Bin ich verrückt?“ Jörg und die Schütze still und stumm im Mondschein. „Ich kann nicht verrückt sein; ich bin die Hauptfigur. ‚Unzuverlässigen Erzähler‘—es kann nicht so einfach sein. Zu einfach. Lazarus ist tot.“

Es gibt zu viele Widersprüche. Zusammenhanglosigkeit. Das einzige, das passieren kann, ist ein Enträtseln. Aber nicht ein Enträtseln; ein Zerfasern. Es gibt keine Lösung sondern nur Fäden.

„Lazarus ist tot. Er starb zweimal. Zwei Todesfälle.“

Und ist er in das blaue Auto, auf das Steuer niedergesunken. Clenin ist schockiert; er ruft um Hilfe an. Dieser ist ein wichtige Mann. Bern…die große Stadt. Er macht ein Foto, zwei Fotos, zehn Fotos. Die Blitzbirne bildet Risse in der Nacht. Wann die Andern kommen an, sammeln sie die Beweise in braunen Papierbeutel und Papiertüten, die er von seinem Auto bringt. Eine Papierbeutel für den Mantel, eine Papiertüte für die Brieftasche. Sie nehmen einen Brief vom Beifahrersitz, gefaltet, gering schrumpelig, in rote Tinte bedeckt und mit braune Blut gesprenkelt. Dann, unter roten Lichter, bringen sie das Körper in einer Ambulanz ruhig weg. 

Clenin folgt im Wagen. „Ulrich Schmied…“ Der Brief sagte etwas über einen toten Mann. „Die Polizei zu viel wissen.“ War er ein korrupter Polizist, vielleicht eingeholt in etwas schlecht? In jedem Fall: etwas faul im Stadt Bern.

Jörg und die geheimnisvolle Schütze bewegen sich nicht. Ulrich bewegt sich nicht.

Es ist schon spät und es ist weniger schwarz und mehr grau—ein erschöpftes, dunkles Grau. Clenin herunterlasst das Seitenfenster. 

Ulrich noch einmal.

„Zwei Todesfälle; hier ist ein Dritter.“


Zusammenhanglosigkeit – incoherence
Enträtseln  unraveling (of a mystery)
Zerfasern fraying out
Fäden threads
Blitzbirne flashbulb
Risse – cracks
Papierbeutel – (small) paper bags
Papiertüten – (large) paper bags (?)

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